Münchner Glockenspiel wieder in Betrieb!

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde das Münchner Glockenspiel am 16. November 2007 von Oberbürgermeister Christian Ude feierlich in Betrieb genommen.

Informationen zur Sanierung finden Sie im Beitrag Rathausturm und Glockenspiel.

Wie das Münchner Glockenspiel funktioniert, erklärt ein Filmbeitrag der Süddeutschen Zeitung.


Landeshauptstadt München, Rathausturm und Glockenspiel, 2006-2007

Im Jahr 2008 feierte die Landeshauptstadt München 850 Jahre Stadtgeschichte und zugleich 100 Jahre Glockenspiel im denkmalgeschützten Neuen Rathaus. Im Vorfeld der Feierlichkeiten wurden der Rathausturm einer Sanierung unterzogen.

Die Maßnahmen betrafen die Natursteinfassade sowie das Glockenspiel mit Glocken, Glockenstuhl und Teilen der Mechanik.

Das Neue Rathaus unmittelbar am Marienplatz wurde zwischen 1867 und 1908 nach Plänen des Architekten Georg Hauberisser in drei Bauabschnitten errichtet. Der Turm ist bis zur Spitze ca. 82 m hoch und in 13 Geschosse unterteilt.

Im 4. und 5. OG befindet sich der Spielerker mit Schäfflertanz und Ritterturnier, im 10.OG stehen die Spieltische der Glockenspielmechanik und im 11. OG – unmittelbar unterhalb der Turmspitze auf ca. 62 m Höhe – der Glockenstuhl mit insgesamt 43 Glocken aus Bronze. Die reich verzierten Glocken unterschiedlichster Größe wurden einst in der Gießerei Gebr. Oberascher in München gegossen und im Jahr 1908 erstmals gespielt. Das Gewicht der kleinsten Glocke beträgt acht, das der größten Glocke 1180 Kilogramm. Das Gesamtgewicht aller Glocken beträgt etwa 6,8 Tonnen.

Zentrales Anliegen der Sanierung war eine Verbesserung von Stimmung und Klang des Glockenspiels. Dem Spiel mit einem Tonumfang von dreieinhalb Oktaven hatten Luftverschmutzung und Korrosion über die Jahrzehnte stark zugesetzt.

Alle Glocken wurden ausgebaut und zur Firma Koninklijke Eijsbouts nach Asten in Holland gebracht. Dort wurden die einzelnen Glocken sorgfältig gereinigt, vom Rost befreit und nach ausführlichen Analysen und Simulationen am Computer in ihrem Profil optimiert. Belange von Denkmalschutz und Denkmalpflege waren zu berücksichtigen. Trotz Verbesserung von Stimmung und Klang sollten Originalität und Charakteristik des Münchner Glockenspiels gewahrt bleiben. Auf den Neuguss einzelner Glocken konnte glücklicherweise verzichtet werden, auch alle Klöppel ließen sich erhalten. Anderes musste erneuert werden, u. a. die Aufhängung der Klöppel, die Befestigung der Glocken sowie die Spielmechanik mit ihren Seilzügen, Umlenkhebeln und sonstigen Teilen. Um das Zusammenspiel aller Elemente zu optimieren, wurde die Mechanik in Teilen modifiziert.

Ebenfalls erneuert werden musste der Glockenstuhl. Die etwa 5,2 m hohe und 3,5 Tonnen schwere Stahlkonstruktion zur Aufhängung der Glocken war durch Schwefeldioxid und Korrosion stark geschädigt und wurde durch eine Edelstahlkonstruktion mit hohen Widerstandswerten ersetzt. Die Geometrie des ursprünglichen Glockenstuhls wurde beibehalten, Profilquerschnitte und Verbindungen wurden dem Stand der Technik angepasst.

Für den Aus- und Einbau der Glocken und des Glockenstuhls sowie für die Sanierung der Turmfassade mussten umfangreiche Gerüstbauarbeiten erfolgen. Über einen Zeitraum von drei Monaten wurden Stand- und Hängegerüste mit insgesamt 35 Lagen und einer Gesamtfläche von ca. 3000 qm errichtet.

Die schwierigen statischen Verhältnisse, die beengte räumliche Situation, die Probleme mit dem Transport großer Lasten, aber auch die Auflagen zum Schutz von Arbeitern, Schaulustigen und Passanten machten zahlreiche Sonderkonstruktionen und Zusatzmaßnahmen erforderlich. Auch Vogelschutz war Thema, da seltene Mauersegler den Turm als Nistplatz nutzen.

Eine besondere Schwierigkeit war der Aus- und Einbau der großen Glocken. Die Schallöffnungen der Glockenstube waren zu klein, so mussten einige Glocken im 11. OG ausgebaut und innerhalb des Turmes auf eine provisorische Plattform über den Spieltischen im 10. OG abgelassen werden. Von dort wurden sie auf einer Schienenkonstruktion durch eine Fensteröffnung auf das Turmgerüst gefahren, dann von einem Autokran aufgenommen, versetzt und zum Abtransport verladen. Der Einbau verlief analog.

Zeitgleich mit dem Glockenspiel wurde die Turmfassade saniert. Dabei wurden Schäden am Naturstein sowie Schäden an den historischen Fenstern behoben. Außerdem wurden die Netze zur Taubenabwehr erneuert und die Blitzschutzanlagen erweitert.

Nach Fertigstellung aller Sanierungsarbeiten und Abbau der Gerüste wurde das Glockenspiel am 16.11.2007 feierlich in Betrieb genommen.

Projektleitung: Alexander Ehlich
Download: LH München, Rathausturm und Glockenspiel | Teil 1
Download: LH München, Rathausturm und Glockenspiel | Teil 2

Fotos: Alexander Ehlich

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Download: LH München, Rathausturm und Glockenspiel | Teil 2

Wie das Münchner Glockenspiel funktioniert, erklärt ein Filmbeitrag der Süddeutschen Zeitung.

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